Sternchen *†30.04.2007

Mein liebes Sternchen,

gestern war es wieder soweit und ich fühle jetzt schon die Tränen aufsteigen, denn obwohl es bereits 14 Jahre her ist, dass du zu mir gekommen und dich viel zu früh entschieden hast zu gehen... obwohl ich schon so viel geheilt habe... obwohl ich weiß, dass du eine Botschaft für mich und deinen Papa hattest...es schmerzt noch immer!


Heute will ich deine Geschichte teilen und ich reise dafür ins Jahr 2007 zurück. Ich war 26, dein Papa 24 und wir hatten nach fast etwas über einem Jahr Beziehung beschlossen, dass wir eine Familie gründen möchten. Wir hatten dafür eine große, wunderschöne Wohnung gemietet. Kurz nach dem Einzug blieb die Menstruation aus und ich hielt den positiven Schwangerschaftstest in der Hand.


Leider weiß ich nicht mehr, wie ich deinem Papa erzählt habe, dass du unterwegs bist... vielleicht weil das was kam, diese Situation überschattet hat? Ich weiß es nicht... ich weiß, dass er mir sogar den Test besorgt hat und auf jeden Fall hat er sich sooooo sehr auf dich gefreut.


Ich machte jeden zweiten tag einen Schwangerschaftstest und freute mich jedes Mal darüber, dass der Strich sich intensiver färbte. Ich machte recht schnell einen Termin beim Gynäkologen aus und freute mich schon auf den Tag: ich meine, dass der Termin am 2.5 gewesen wäre - auf jeden Fall in der ersten Maiwoche 2007.


Eines nachts träumte ich von dir... doch leider träumte ich nicht von einer schönen Schwangerschaft, einer tollen Geburt und unserem Kennenlernen... ich träumte, dass ich blutete... ich träumte davon, dass du dich dazu entschlossen hattest wieder zurück zu den Sternen zu reisen.


Ich glaube ich sagte deinem Papa nichts davon und schob den Gedanken, den Traum schnell beiseite.


Am Montag, den 30.4.2007 habe ich gearbeitet (als Erzieherin in einer Krippe) und weil der Ausflugswagen so schwer war, erzählte ich meiner Kollegin von der Schwangerschaft und bat sie den Wagen die Rampe zur Kita hochzuschieben. Als die Kinder eingeschlafen waren, ging ich auf die Toilette und beim Abwischen färbte sich das Papier rot... ich blieb fassungslos sitzen und wischte nochmals nach... es war erneut rot.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort saß, aber bevor ich aufstand, legte ich mir etwas Papier in die Unterhose... ging zu meiner Kollegin und bat sie gehen zu können. Ich sagte was passiert war, packte meine Sachen, rief beim Arzt an.


Ich sollte sofort vorbei kommen und glücklicherweise war die Praxis nicht weit entfernt. Auf dem Weg rief ich deinen Papa an. Keine Ahnung, ob ich was Gescheites sagen konnte... ich spürte Trauer und trotzdem Hoffnung.


Beim Gyn wurde ein Ultraschall gemacht und ein paar Tage, bevor ich in dieser Praxis deinen Herzschlag hätte sehen wollen... bekam ich die traurige Nachricht, dass von dir nichts mehr zu sehen sei.


Ich weiß nicht mehr, wie ich den halbstündigen Weg nach Hause bewältigen konnte. Ich weiß nur, dass dein Papa auf mich wartete, mich in den Arm nahm und wir zur Apotheke gingen, weil ich auf die Empfehlung des Arztes Schmerzmittel kaufen sollte.


Ich weinte, wollte nicht, dass du nicht mehr bei mir bist. Ich sagte in der Apotheke was ich wollte, dein Papa ergänzte warum und ich lief weinend vor die Tür.


Ich weiß nicht mehr, wie ich den restlichen Tag überstanden habe, es tat körperlich nicht wirklich weh, es war wie eine Regelblutung... doch meine Seele schrie. Mein herz brach... ich wollte es nicht wahrhaben. Jeder Gang zur Toilette erinnerte mich aufs Neue daran.


Am nächsten Tag hatten wir frei und wir machten einen Spaziergang. Wir besuchten ein Frühlingsfest in der Nähe und ich hing wie leblos am Arm deines Papas. Freudlos. Hoffnungslos. Geschüttelt von Trauer.


Ich hatte nichts von dir was ich hätte begraben können und zuerst hattest du nicht einmal einen Namen. Sehr viel später gab ich ihn dir.


Wahrscheinlich ging ich am 2.5 ganz normal zur Arbeit und ich hoffte darauf zwei Wochen später einfach wieder schwanger zu werden und dass sich der Traum eines babys sehr schnell doch erfüllen würde...


Es kam anders... war dein Papa einst sehr verliebt und wollte unbedingt eine Familir, so schien es, als hätte dein Verlust ihm aufgezeigt, dass er noch nicht so weit ist oder aber, dass ich zumindest nicht diejenige sein sollte. Er trennte sich vier Wochen nach deiner Reise zurück zu den Sternen und ich bekam erneut meine Monatsblutung... innerhalb von kurzer Zeit hatte ich nicht nur mein Baby, sondern auch meinen Partner verloren.


Meine Zukunft zerplatzte wie eine Seifenblase und tatsächlich war die plötzliche Trennung ein noch größerer Schock für mich. Doch heute geht es um dich, mein Baby.


Seitdem Tag, an dem du gingst, vermisse ich dich, denke ich an dich und jährlich gedenke ich deinen Tag. Jährlich fühle ich den Verlust anders, irgendwie leichter und doch wird der Schmerz nie ganz vergehen.


Sternchen, du bist geliebt und unvergessen! Auf ewig! Ich liebe dich,

deine Mama






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