Hope *†28.05.2012

Meine liebe Hope,

heute vor 9 Jahren bist du zurück zu den Sternen gereist, ein kurzer Moment, indem du gingst... und doch dauerte unser Abschied viel länger.


2016 hatte ich auf Facebook eine Seite "Wolkenwiege" und ich erinnerte mich, dass ich dort deine Geschichte geteilt hatte. Fünf Jahre später könnte ich sie nicht besser erzählen:



"Kennt ihr das... dieses Gefühl sich in einer Wiederholung zu befinden? An Jahrestagen die erlebten Bilder zu sehen und man fühlt die Vergangenheit... denn diese Gefühle haben sich so tief eingebrannt in deiner Seele, deinem Herzen und deinem Körper, dass sie nicht vergessen werden können... sie verblassen nur, aber sind noch immer da... irgendwo...


Ich auf die Toilette und bemerke, dass ich meine Tage bekommen habe... und dann laufen plötzlich die Tränen und alles zieht sich zusammen...


Ich befinde mich plötzlich im Jahr 2012. Es ist der 25.5 und ich bin Trauzeugin auf der Hochzeit einer meiner allerliebsten Freundinnen... Nach der standesamtlichen Trauung geht es in ein Lokal und ich verzichte auf die leckere Vorspeise. Was genau es war weiß ich nicht mehr, aber es war roher Fisch. Meine Freundin rät mir davon ab und ich weiß es ja auch, denn ich bin schwanger.


Am 26.05.2012 gehe ich vormittags zum Friseur, mittags ist die kirchliche Trauung und danach fahren wir zur Location, wo die Party steigen soll. Es werden Fotos gemacht und da merke ich es plötzlich... ich hab sehr starke Kopfschmerzen - verzichte aber wegen des Babys auf eine Tablette und trinke Wasser... Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen und irgendwie schaffe ich Stunde um Stunde... bis ich spät Abends auf die Toilette gehe und Blut sehe... Mir rasen 1000 Gedanken durch den Kopf... spielen fangen und dazu der quälende Schmerz, der seit Stunden nicht nachlassen will...


Ich habe bereits ein Sternenkind, ich weiß was es bedeutet... und schon wieder kurz bevor ich den Termin beim Gyn habe, der mir die Schwangerschaft bestätigen soll... und nicht das Ende... Ich versuche mich zu beruhigen, tanze ein bisschen, doch so ganz mag es mir nicht gelingen gut gelaunt zu sein... und es tut mir leid. Es tut mir leid um meine Freundin, die wunderschöne Braut, die sich wundert was los ist... Um zwei Uhr morgens, vielleicht war es auch später kann ich nicht mehr... mit der Aussage meine Kopfschmerzen wären nicht mehr zum Aushalten verabschieden wir uns... ich weiß meine Freundin ist enttäuscht... aber sie sagt nichts und ich bin gelähmt... ich kann es ihr nicht sagen!


Wir fahren heim zu meinen Eltern und legen uns schlafen... ich liege auf der Couch und weine... leise, aber endlich bahnen sich meine Tränen ihren Weg... mein Freund fragt was wir jetzt machen sollen... ich weiß nicht... man kann nichts machen... das Baby reist zu den Sternen zurück... wir schlafen ein...


27.05.2012: Ich wache auf und ich weine... ich habe nicht geträumt... halt... vor ein paar Tagen da träumte ich von Blut und dass mein Baby nicht bei uns blieb... ich sage meinem halbschlafenden Freund, dass ich ins Krankenhaus fahre... nein, ich fahre alleine... ich besorge Blumen für meine Freundin, die heute ihren 30. Geburtstag nach feiert... Naja das sage ich zumindest.

Im Krankenhaus muss ich eine Zeitlang warten und als ich dann dran komme und versuche recht nüchtern zu sagen weshalb ich da bin, kommen dann doch die Tränen. Es wird ein Ultraschall gemacht. Nach meiner Rechnung müsste ich in der 7/8 Woche sein... Hmmmmmm... laut Ultraschall wäre die Schwangerschaft ganz frisch höre ich. Früchthöhle ist da und auch eine embryonale Anlage... das war´s denke ich. Der Traum hat mir die Zukunft gezeigt – wie bei der ersten Sternenreise auch schon... Es wird noch Blut abgenommen und ich erinnere mich an die schwächer werdenden Schwangerschaftstests und dass ich versucht habe mich nicht verrückt zu machen. Der Bluttest wird per Express gemacht, die Ergebnisse sind nachmittags zu erwarten. Ich hinterlasse meine Telefonnr und gehe... Ich weiß nicht wie lange ich weg war... es ist mir auch irgendwie egal... ich weine... ich rufe eine Freundin an. Ich hatte ihr erst vor ein paar Tagen von der Schwangerschaft erzählt...

Ich fahre zu meinen Eltern. Meine Mutter öffnet mir die Tür und ist verwundert, dass ich keine Blumen dabei habe. Hab kein Blumengeschäft gefunden.

Nachmittags fahren wir zu dem Geburtstag. Hach ein bisschen Ablenkung tut gut. Auf dem Weg der Anruf der Ärztin. Hcg bei ich weiß es nicht mehr genau, aber in jedem Fall zu niedrig für meine Rechnung, sondern so wie das Ultraschallbild anzeigt... Ich bin aber nicht ganz frisch schwanger... ich bin dabei mein Baby zu verlieren...

Auf dem Geburtstag treffe ich eine hochschwangere Freundin. Sie erwartet ihren Jungen für Mitte Juli. Trotz dass die Blutungen stärker werden und ich auch noch mit Heuschnupfen zu kämpfen habe, kann ich recht gut abschalten und Freude empfinden.

Abends weine ich mich in den Schlaf... mein Freund versucht mich zu trösten... es gibt keine Worte, aber die Umarmung tut unendlich gut.


28.05.2012

Ich wache weinend auf. Die Nacht war ok, aber meine Gedanken kreisen um meinen Stern. Warum? Warum wolltest du nicht bleiben? Ich soll nochmal ins Krankenhaus, um irgendetwas abzuholen... also fahre ich unter Vorwänden dorthin... allein, aber das ist auch ok... die Ärztin ist die selbe vom Vortag. Ich sage, dass die Blutungen stärker geworden sind... ich weiß nicht mehr, wie sie aussieht.... auch nicht was genau sie gesagt hat... ich habe mich gut aufgehoben gefühlt, also wird sie wohl empathisch gewesen sein... Ich bekomme in den nächsten Tagen eine Rechnung über die 10€ Notfallgebühr und sie wird zu meinen Eltern gehen, weil das die Adresse ist, die sie im Pc haben. Ich hatte in dem Krankenhaus 1998 meine Mandel-Op. Nein, nicht zu meinen Eltern... Die Ärztin schreibt meine Adresse auf und klebt einen Zettel auf meine Akte... Auf dem Rückweg rufe ich wieder meine Freundin an.

Bei meinen Eltern gehe ich auf die Toilette und bekomme plötzlich einen leichten Krampf... und dann ploppt es... Da meine Eltern einen Flachspüler haben, kann ich sehen, dass ich gerade ein großes Gewebestück verloren habe... Moment, das hat Struktur und ist irgendwie anders... Ich nehme es in die Hand und weine... Das muss die Fruchthülle sein... Und nun? In die Toilette kann ich es nicht tun. Ich möchte es mitnehmen und daheim beerdigen... Die Fruchthülle ist geöffnet. Innen ist nichts zu sehen... mein Baby, wenn ich es mit bloßen Auge hätte sehen können... war weg? Ich spüle das Blut ab und freue mich eine Taschentücherverpackung in meiner Hosentasche zu haben. Taschentücher raus und Fruchthülle rein... Wir wollen aber erst abends fahren... Ich gehe also in die Küche und stecke die Höhle meinen Babys in einen Gefrierbeutel und ins Eisfach... ich bitte mein Baby es möge mir verzeihen... Ein paar Stunden später hole ich es wieder heraus und ich stecke den eiskalten Beutel in einen weiteren Beutel... wir fahren heim und ich lege die Fruchthülle in unserem Kühlschrank...


29.05.2012

Ich weiß nicht mehr, ob ich arbeiten musste oder wie der Tag begann... im Laufe des Tages habe ich mir die Zeit genommen mir die Fruchthülle anzusehen, Fotos zu machen und stecke es in die gelbe Verpackung eines Überraschung-Eis... Ich gehe runter und grabe hinter dem Haus, neben einer Bank am Spielplatz, ein kleines Loch. Ich lege das gelbe Ei dort hinein, schaufel Erde darauf und zum Schluss die Blume, die ich mitgebracht habe. Ich wünsche meinem Baby, dass es gut bei seinem Halbgeschwisterchen angekommen ist und sage ihr, dass ich ihr Bettchen von meinem Schlafzimmer aus sehen kann und wir uns so trotzdem irgendwie nah sein können... schöner wäre es gewesen, dass sie weiterhin in meinem Bauch geblieben wäre..."


Hope, du bist für immer in meinem Herzen!


Ich liebe dich,

deine Mama







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